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Klimafolgenanpassung

Das globale Klima wird wärmer, der Meeresspiegel steigt an. Wetterextreme wie Starkregen, Hitze und Stürme nehmen weltweit zu. Der Klimawandel ist bereits heute im Landkreis Wittmund spürbare Realität.

Während der Klimaschutz den Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen verringert und damit für eine Eindämmung der globalen Erwärmung sorgt, handelt es sich bei der Klimafolgenanpassung um Maßnahmen zur Anpassung an die unumkehrbaren Folgen des Klimawandels. Der Klimawandel kann durch den Klimaschutz zwar gebremst jedoch nicht mehr vollständig gestoppt werden. Eine ganzheitliche Klimastrategie umfasst daher sowohl den Klimaschutz als auch die Klimafolgenanpassung.

Das Climate Service Center Germany (GERICS) hat einen Vergleich der 30-Jahres-Zeiträume zu Beginn und Ende der Beobachtungen (1951-1980 versus 1986-2015) für den Landkreis Wittmund durchgeführt. Das Ergebnis: Zunahmen in der Jahresmitteltemperatur und der Jahresniederschlagssumme sind bereits heute als spürbare Folgen des Klimawandels zu beobachten.

Für die Jahresmitteltemperatur ergab sich eine Zunahme um durchschnittlich etwa 1,0°C.

Climate Service Center Germany (GERICS), Eine Einrichtung der Helmholtz-Zentrum hereon GmbH. Lizenz: CC-BY 4.0 https://www.gerics.de/klimaausblick-landkreise

© Climate Service Center Germany (GERICS), Eine Einrichtung der Helmholtz-Zentrum hereon GmbH. Lizenz: CC-BY 4.0 https://www.gerics.de/klimaausblick-landkreise 

 

Für die Jahresniederschlagssumme ergab sich eine Zunahme von 1,1 mm/Jahr.

Climate Service Center Germany (GERICS), Eine Einrichtung der Helmholtz-Zentrum hereon GmbH. Lizenz: CC-BY 4.0 https://www.gerics.de/klimaausblick-landkreise

© Climate Service Center Germany (GERICS), Eine Einrichtung der Helmholtz-Zentrum hereon GmbH. Lizenz: CC-BY 4.0 https://www.gerics.de/klimaausblick-landkreise 

Klimaausblick für den Landkreis Wittmund

Temperatur

Laut der Niedersächsischen Strategie zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels wird die Jahresmitteltemperatur weiter ansteigen. Das Klima-Factsheet für die niedersächsische Nordseeküste weist zudem auf eine Zunahme der Anzahl der Hitzetage mit über 30° C hin. Demnach wären an der niedersächsischen Küste ohne weitere Klimaschutzmaßnahmen bis zum Ende des Jahrhunderts bis zu 33 zusätzliche Hitzetage im 30-Jahresmittel möglich. Auch die Anzahl der Sommertage mit über 25° C wird weiter zunehmen. Laut Angaben des Klima-Factsheet wären an der niedersächsischen Küste ohne weitere Klimaschutzmaßnahmen bis zum Ende des Jahrhunderts durchschnittlich bis zu 60 Sommertage möglich.

Niederschlag

In der Niedersächsischen Strategie zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels wird eine Zunahme an Starkregenereignissen (Niederschlag > 20mm / Tag) sowie eine innerjährliche Verschiebung der Niederschlagsmenge hin zu den Wintermonaten prognostiziert. Die zu erwartenden großen Regenmengen können zu einem verstärkten Oberflächenabfluss insbesondere auf versiegelten Flächen sowie zu einer eingeschränkten Auffüllung des Bodenwasserhaushalts führen, da die Aufnahmekapazität des Bodens beschränkt ist. Übersteigt die Niederschlagsintensität die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens, können Starkregen zu Überschwemmungen führen. 

Meeresspiegelanstieg

Der bereits fortschreitende Anstieg des Meeresspiegels ist mit höheren Risiken bei Sturmfluten verbunden und lässt höhere Sturmflutpegel bis tief in die Mündungsbereiche der ins Meer mündenden Flüsse erwarten. Die Übersichtskarte des Norddeutschen Küsten- und Klimabüros verbildlicht, dass neben dem bisherigen Küstenschutz bis 2100 zusätzliche Flächen in Richtung Binnenland vor Sturmfluten zu schützen sind. Auch die Flood Map zeigt die Dringlichkeit eines erhöhten Küstenschutzes in Anbetracht des zu erwartenden Meeresspiegelanstiegs.

Ausschnitt aus der Flood Map: Elevation Map, Sea Level Rise Map:

Die verfärbten Bereiche liegen unterhalb der eingestellten Höhe von einem Meter Meeresspiegelanstieg.

Laut dem Deutschen Klima-Konsortium e. V. sowie dem Konsortium Deutsche Meeresforschung e. V. ist der gemittelte globale Meeresspiegel im 20. Jahrhundert insgesamt bereits um etwa 15 Zentimeter angestiegen und würde bis 2100 um zusätzliche 30 bis 60 Zentimeter ansteigen, wenn die Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius begrenzt werden könnte. Wenn die Emissionen jedoch weiter wie bisher zunehmen, muss mit 60 bis 110 Zentimetern Anstieg gerechnet werden. Ermittelt man für beide Szenarien den Mittelwert müssen wir mit einem globalen Anstieg von rund 43 bis 84 Zentimetern rechnen.

Auch darüber hinaus wird der Meeresspiegel aufgrund der anhaltenden Erwärmung der Tiefsee und des anhaltenden Abschmelzens der Eisschilde langfristig unweigerlich für Jahrhunderte bis Jahrtausende ansteigen. Dem Beitrag der Arbeitsgruppe I »Naturwissenschaftliche Grundlagen« zum Sechsten Sachstandsbericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) kann entnommen werden, dass der mittlere globale Meeresspiegel im Verlauf der nächsten 2.000 Jahre um etwa 2 bis 3 m ansteigen wird, wenn die Erwärmung auf 1,5 °C begrenzt wird, und um 2 bis 6 m, wenn sie auf 2° C begrenzt wird.


Der Klimaausblick des Climate Service Centers Germany gibt einen Überblick über die bereits fortschreitenden klimatischen Veränderungen und die Zukunftsszenarien bis zum Ende des 21. Jahrhunderts. Die folgende Tabelle als Ausschnitt des Klimaausblicks gibt einen Überblick über die verschiedenen Ausprägungen der klimatischen Änderungen im Landkreis Wittmund. Farbig gekennzeichnete Änderungen sind robust, dabei sind robuste Zunahmen rot unterlegt, robuste Abnahmen blau.

© Climate Service Center Germany (GERICS), Eine Einrichtung der Helmholtz-Zentrum hereon GmbH. Lizenz: CC-BY 4.0 https://www.gerics.de/klimaausblick-landkreise 

 

Zum Schutz vor den Risiken des Klimawandels stellt die Anpassung an die sich ändernden klimatischen Bedingungen eine wichtige Aufgabe für den Landkreis Wittmund dar. Mit dem Klimaschutz- und Klimaanpassungsmanagement verfolgt der Landkreis Wittmund das Ziel einer integrierten Klimapolitik. Die Erstellung eines Klimafolgenanpassungskonzepts ist für das Jahr 2023 geplant.

Was können Bürgerinnen und Bürger bereits tun?

Auch im privaten Umfeld können Bürgerinnen und Bürger sich bereits an die klimatischen Veränderungen anpassen. So können beispielsweise Gebäude an Extremereignisse angepasst werden. Ein Grundschutz vor Überflutungen kann durch wasserdichte, erhöhte Türen und Fenster, Erhebungen vor Kellerfenstern und Rückstauklappen hergestellt werden. Gegen Folgen von Starkregen und Hitze kann eine Dachbegrünung helfen. Über das Solar- und Gründachkataster können Bürgerinnen und Bürger sich bereits einen ersten Eindruck verschaffen, ob ihre Dächer für eine Bepflanzung in Frage kommen. Das Kataster wurde vor kurzem um das Thema „Oberflächennahe Geothermie“ erweitert, sodass Bürgerinnen und Bürger nun auch Informationen über Geothermiepotenziale erhalten. Geothermische Heizungsanlagen haben im Sommer ebenfalls einen kühlenden Effekt. Auch einfache Maßnahmen wie die Wahl einer hellen Fassadenfarbe können dazu beitragen, dass sich das Klima im Haus weniger aufwärmt. Begrünte Vorgärten und entsiegelte Flächen kühlen die Außenluft im Sommer. Mehr Informationen zum Thema begrünte Hausgärten bietet der Flyer »Grüne Vielfalt statt graue Wüste« der Stadt Norden.

Bei Extremwetterereignissen können geeignete Verhaltens- und Vorsorgemaßnahmen helfen, sich an die Belastung anzupassen. Der Newsletter Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes informiert zum Beispiel über bevorstehende Hitzeperioden. Das Niedersächsische Landesgesundheitsamt stellt Merkblätter mit Hinweisen für die Bevölkerung und den Umgang mit Kindern bei Sommerhitze zur Verfügung. Das Bundesumweltministerium informiert auf seiner Homepage zum Thema Gesundheit im Klimawandel und veröffentlicht unter anderem Tipps für heiße Tage und Empfehlungen zur Vorsorge. 

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