Gemeinsames Miteinander von Landwirtschaft und Landkreis: Traditioneller Austausch im Kreishaus
Am vergangenen Dienstag (29. September) war es wieder so weit: Als Zeichen der gemeinsamen Verbundenheit hängten hiesige Landwirte die Erntekrone in das Wittmunder Kreishaus. Die stattliche Krone wurde von den Mitgliedern des Zweigvereins Burhafe-Buttforde-Berdum gebunden und zeigt eindrücklich die Verbundenheit von Stadt und Land sowie ein gutes Ernteergebnis.
Traditionell begrüßte Landrat Holger Heymann die Delegation der Landwirte und die Vertreterinnen der KreisLandFrauen, die mit ihrer üppigen Herbstdekoration und verschiedenen Leckereien für das leibliche Wohl während des Austausches im historischen Saal sorgten. Heymann warf einen Blick zurück: Dem Landkreis gehe es gut, kurze Wege, ein Zusammenhalt so stark wie nie. Zugleich wirkten Entwicklungen auf die Region ein, auf die man vor Ort keinen Einfluss habe – steigende Energie- und Spritkosten etwa. Investiert werde dennoch in eine zukunftsfähige öffentliche Infrastruktur. Als Beispiel nannte er den Neubau der BBS und den Anbau der KGS sowie den kommenden Neubau der Feuerwehrtechnische Zentrale. Schwieriger werde jedoch die Finanzierung des kommunalpolitischen Tagesgeschäfts, da der Bund immer mehr Aufgaben übertrage, ohne für die nötige Gegenfinanzierung zu sorgen. Für die Belange der Landwirtschaft, die die Region prägt und ein wichtiges wirtschaftliches Standbein sei, stehe seine Tür jederzeit offen.
Günter Lüken, Vorsitzender des Kreisverbands Wittmund im Landwirtschaftlichen Hauptverein für Ostfriesland, betonte das gute Miteinander von Landwirtschaft und Kreisverwaltung. Er dankte für die Möglichkeit des jährlichen Austauschs und dafür, dass die Anliegen der Landwirtschaft hier ein offenes Ohr fänden.
Etta Strömer, Kreisvorsitzende des KreisLandFrauenVerbandes Wittmund, rückte den Nachwuchs in den Mittelpunkt. Gut ausgebildete junge Fachkräfte seien für die Zukunft der Landwirtschaft entscheidend. Sie schätze das Engagement junger Menschen, die mit frischen Ideen und neuen Ansätzen dazu beitragen, die Landwirtschaft zukunftsfähig zu gestalten.
Manfred Tannen, Präsident des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Ostfriesland sowie Vizepräsident der Landwirtschaftskammer, warf auch einen kritischen Blick auf die Situation vieler Landwirte, nicht nur im Landkreis Wittmund. So wird Dürre ein zunehmendes Problem, auch in Norddeutschland. Bereits in diesem Jahr wurden durch Hitzetage erste Ernteeinbußen spürbar, sagte er. Das größere Problem seien jedoch die steigenden Produktionskosten durch höhere Energie- und Ölpreise. Die Landwirtschaft sei ein Wirtschaftsfaktor und eine wichtige Wertschöpfungsquelle, der Mittelstand brauche mehr Unterstützung.
Dr. Melanie Schweizer, Geschäftsführerin des Zweckverbandes Veterinäramt JadeWeser, ging auf die Ausbreitung des Shamonda-Virus ein. Dies führe bei Rindern zu Fieber, Milchleistungsrückgang und Durchfall. Auch Verkalbungen und Missbildungen bei Kälbern sind möglich. Eine Meldepflicht bestehe bislang nicht. Ein Impfstoff steht bisher nicht zur Verfügung. Die weitere Entwicklung muss beobachtet werden. Die Blauzungenkrankheit ist dank guter Impfquote stark zurückgegangen. Anders bei der Geflügelpest: deren Fallzahlen sind stark angestiegen. Auch in den Sommermonaten ist es zu Ausbrüchen gekommen. Biosicherheit bleibe deshalb bei Geflügel, Rindern und Schweinen ein großes Thema. Jeder Landwirt benötigt einen Biosicherheitsplan. Die Erstellung zusammen mit dem Hoftierarzt bzw. landwirtschaftlichen Beratern wird über die Niedersächsische Tierseuchenkasse gefördert. Ein weiteres wichtiges Thema sind die vermehrten Hitzetage im Sommer. Weidetiere benötigen an heißen Tagen Schatten und eine gute Trinkwasserversorgung.
Weitere Themen waren der Küken- und Gelegeschutz, der auch im zweiten Jahr die gute Zusammenarbeit zwischen der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises und den hiesigen Landwirten zeigt, sowie Fragen zur Bebauung von Außenflächen, für die es aus Sicht der Beteiligten einer Gesetzesänderung auf Bundesebene bedarf.
Im nächsten Jahr, wenn die Ernte 2027 eingefahren ist, werden sich Vertreter vom Landkreis und der hiesigen Landwirtschaft wieder treffen, die nächste Erntekrone aufhängen und miteinander reden. So wie das üblich ist im Landkreis Wittmund.