Havariekommando und Feuerwehren trainieren für Chemie-Notfälle am Strand
Die Touristen am Deich von Neuharlingersiel schauten neugierig angesichts der vielen Einsatzfahrzeuge, die sich am Samstag vor dem Deich aufreihten: „Ist was passiert?“ Und auch der eine oder die andere Einheimische kam vorbei, um zu schauen, was da auf der Kite-Wiese los war.
Passiert war zum Glück nichts. Es handelte sich um eine groß angelegte Übung des Havariekommandos mit den Feuerwehren, dem THW und weiteren Einsatzkräften aus dem Landkreis Wittmund und angrenzenden Landkreisen. Das Szenario: Nach einem Schiffsunfall vor Langeoog treibt Ladung in der Nordsee. Darunter auch gefährliche Güter und Stoffe, die teilweise mit der Flut ins Watt vor Neuharlingersiel gespült werden.
Die Übung war unangekündigt und so riss die Alarmierung am Samstag (11.10.) um 9 Uhr wohl das eine oder andere Mitglied der freiwilligen Feuerwehr aus dem Bett. Als erstes traf die Ortswehr aus Neuharlingersiel ein und fand unterschiedliche Fässer und Kanister im Watt vor. Auf den Etiketten: Totenköpfe und komplizierte chemische Bezeichnungen. Also rückte die Gefahrguteinheit der Feuerwehr des Landkreises Wittmund an.
Die Feuerwehrleute bestimmten die Stoffe in den Behältern und sorgten für die Bergung aus dem Watt. Eine Herausforderung für die Einsatzkräfte, die sich in schweren Schutzanzügen und unter Atemschutz bewegen mussten. Auch einsatztaktisch war der Einsatz für die Gefahrguteinheit keine Kleinigkeit.
„Das ist absolut nicht alltäglich“, sagte Matthias Abken, Leiter der Gefahrguteinheit der Kreisfeuerwehr Landkreis Wittmund, nach der Übung. „Es ist für uns sehr spannend, so eine ungewöhnliche Lage zu üben und für die Kameradinnen und Kameraden, die ja hier heute ihren freien Samstag opfern, hat sich das absolut gelohnt“, so der Einheitsführer.
Unterstützt wurde seine Gefahrguteinheit in der Übung von einer Drohneneinheit der Feuerwehr Wiesmoor (Landkreis Aurich) sowie von den Feuerwehrtechnischen Zentralen Wittmund und Friesland mit zwei Hägglunds-Kettenfahrzeugen, die problemlos ins Watt fahren können. Solche Fahrzeuge hält das Havariekommando eigentlich für Öl-Unfälle an vierzehn Standorten an der deutschen Nord- und Ostseeküste vor.
Das Havariekommando, eine gemeinsame Einrichtung des Bundes und der Küstenländer mit Sitz in Cuxhaven, hatte die Übung initiiert und organisiert. Es würde im Ernstfall bei einem großen Schiffsunfall mit derartigen Folgen die Gesamteinsatzleitung übernehmen und die Einsatzkräfte koordinieren. Die Übung diente daher auch dazu, die Kommunikation und Koordination zwischen den vielen beteiligten Akteuren zu trainieren.
Neben den übenden Feuerwehrleuten waren auch zahlreiche Unterstützungskräfte vor Ort, so unter anderem die Versorgungseinheit der Feuerwehr des Landkreises Wittmund, das Deutsche Rote Kreuz mit einem Rettungswagen zur Absicherung sowie der Ortsverband Jever des Technischen Hilfswerks (THW) der im Hintergrund für den reibungslosen Ablauf der Übung sorgte. Insgesamt waren rund 120 Einsatzkräfte beteiligt.
Übungsleiter Sebastian Kroll vom Fachbereich „Schadstoffunfallbekämpfung Küste“ des Havariekommandos zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis der Übung: „Die Feuerwehrkräfte haben den herausfordernden Einsatz gut gemeistert und dabei sicherlich auch viele wertvolle Erfahrungen gesammelt. Für das Havariekommando sind solche Übungen mit den Kräften vor Ort sehr wichtig, weil sie die Zusammenarbeit miteinander und das Verständnis füreinander stärken und damit letztlich die Sicherheit an der Küste verbessern. Wir sind allen hier sehr dankbar fürs Mitmachen und für ihr Engagement, das ja in den allermeisten Fällen ehrenamtlich ist.“
Bild: Das Hägglunds-Kettenfahrzeug kann sich problemlos am Strand und im Watt bewegen und sowohl Einsatzkräfte als auch die geborgenen Gefahrstoffe transportieren. | Quelle: THW Media Team/Niklas Mock