Neue Drohnengruppe des Landkreises Wittmund meldet: „Einsatzbereit“
Landrat Holger Heymann hat den neuen Multicopter an die Einsatzgruppe übergeben
Im vergangenen Jahr, genau am 1. September 2019, da wurde die Drohnengruppe des Landkreises Wittmund bereits offiziell gegründet – eine Drohne gab es damals allerdings noch nicht. Doch unter der Leitung von Holger Andreesen, seinem Vize Eike Dworak, Gruppenführer Sebastian Sonnen und dem Holtriemer Gemeindebrandmeister Ingo Kruse, auch Chef der Kreis-TEL, wurde damals schon begonnen, akribisch die Ausschreibung für das High-Tech-Gerät vorzubereiten. Ziel der neuen Arbeitsgruppe war es, einen leistungsstarken Multicopter, im Volksmund auch einfach nur „Drohne“ genannt, zu beschreiben, zu finden und mit Mitteln des Landkreises Wittmund zu kaufen. Parallel dazu wurde bereits um Mitglieder geworben, die auch Interesse hatten, in dieser Gruppe mitzuwirken und sich zu Piloten, Luftraumbeobachtern und Bildauswertern ausbilden zu lassen.
Die Drohnengruppe hat sich inzwischen gefunden. Sie besteht heute aus 15 Männern und Frauen. Weitere Interessierte aus den Reihen der Feuerwehren des Landkreises Wittmund können sich gerne melden, um an den Schnupperdiensten der Drohneneinsatzgruppe teilzunehmen. Stationiert ist die neu angeschaffte Drohne in der Samtgemeinde Holtriem bei der dortigen Feuerwehr. Ihr Einsatzgebiet umfasst nicht nur das Kreisgebiet, sondern ganz Ostfriesland. Ihre Feuertaufe hat die Drohne längst hinter sich: Sie wurde schon bei vier Einsätzen als Aufklärer in den Himmel geschickt.
Die Einsatzmöglichkeiten dieser Drohne (Kosten: rund 30.000 Euro) sind sehr vielseitig. Sie kann bei Tag und bei Nacht bei Personensuchen zur Unterstützung der Einsatzkräfte eingesetzt werden. Egal ob auf dem Festland oder über Wasser. Die integrierte Thermalkamera (macht Wärmebilder) ermöglich es sogar, in der Dunkelheit vermisste oder flüchtige Personen zu finden. Die Hauptkamera der Drohne hat ein leistungsfähiges Zoomobjektiv mit bis zu 200facher Vergrößerung. Sie macht es möglich, aus sicherer Entfernung einsatzrelevante Bilder für den Einsatzleiter darzustellen und zu liefern. Ferner ist es möglich bei der Einsatzvorbereitung festgelegte Bereiche am Boden einzustellen, welche dann von dem Multicopter selbstständig abgeflogen werden können.
Die neu formierte Drohnengruppe kann Einheiten der Feuerwehr, von Polizei, Rettungsdiensten, DLRG, THW und des DRK in vielen Einsatzlagen unterstützen. Alarmierbar ist die Drohne über die Kooperative Rettungsleitstelle Ostfriesland (KRLO) in Wittmund. Sicherlich gibt es Einsatzgrenzen für den Multicopter, in der Regel durch die vorherrschende Witterung bedingt sind. Aber die definierte Schutzklasse IP45 und der Betrieb bei Windstärken bis zu 54 Stundenkilometern lassen schon einiges zu. Die Drohne kann maximal drei Verbraucher aufnehmen (Gewicht maximal 2,7 Kilogramm). Also z.B. eine weitere Kamera, einen LED-Scheinwerfer oder einen Lautsprecher. Mit einer max. Flugzeit von fast einer Stunde (55 Minuten) liegt sie derzeit mit an der Spitze der erhältlichen Drohnenarten und -modelle.
Auch im Bereich des Katastrophenschutzes ist es denkbar, diese etwa nach Sturmfluten zur Kontrolle von ganzen Deichabschnitten einzusetzen. Anfang September 2020 wurde die Einsatzdrohne und zwei kleinere Übungsdrohnen der Einsatzgruppe übergeben. Seitdem wird fleißig trainiert um im Ernstfall gewappnet zu sein.
„In den vergangenen Jahren wurden wir immer wieder vor große Herausforderungen gestellt. Hierzu gehörten ausgedehnte Einsätze wie der Brand einer Turnhalle, eines Einkaufsmarktes, anderer größerer Gebäude wie Schulen und auch ein Kindergarten, oder wir wurden bei größeren Suchaktionen zu Hilfe gebeten“, berichtet Kreisbrandmeister Friedhelm Tannen. Um für solche Einsätze gewappnet zu sein, setzen die Feuerwehren neuerdings auch auf Drohnen. „Die schnelle Lageerkundung ist die Basis für den Erfolg des Einsatzes“, stellt Tannen den Zweck der Anschaffung heraus. Der Blick aus der Luft kann den Einsatzkräften dabei sehr wertvolle Hinweise liefern: Hintergründe zur Ausdehnung von Unglücksorten, Bränden, Gefahrenschwerpunkte oder Angriffswege, wie Brandherde am besten angefahren und dann gelöscht werden können.