Neue Wege gegen den Fachkräftemangel: Landkreis Wittmund unterstützt internationales Ausbildungsprojekt
Der Fachkräftemangel wird auch für hiesige Unternehmen zunehmend spürbar. Eine wirksame Gegenmaßnahme ist die internationale Rekrutierung von qualifizierten Auszubildenden und Arbeitnehmern. Hier setzt eine neue Initiative an, die der Landkreis Wittmund aktiv unterstützt: Noch in diesem Ausbildungsjahr sollen junge Menschen aus Kenia, Indonesien und Argentinien eine Berufsausbildung im Landkreis aufnehmen. Das Projekt basiert auf gewachsenen Kooperationen mit Sekundarschulen und Universitäten vor Ort und richtet sich gezielt an Bewerberinnen und Bewerber mit nachgewiesenem Interesse und Vorqualifikation in gefragten Berufsfeldern – darunter Pflegefachfrau/-mann, Elektroniker/in, Anlagenmechaniker/in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie Hotelfachfrau/-mann. Alle Teilnehmenden verfügen bereits mindestens über Deutschkenntnisse auf dem Niveau B1 und sind damit vom ersten Tag an im Betrieb einsetzbar.
Landrat Holger Heymann begrüßt diese Initiative ausdrücklich: „Der Fachkräftemangel ist eine der drängendsten Herausforderungen für Betriebe in unserem Landkreis. Mit diesem Projekt haben Unternehmen die Chance, strukturiert und professionell begleitet internationale Nachwuchskräfte aufzunehmen – in Berufen, in denen der Bedarf besonders groß ist. Das ist ein wichtiger Beitrag zur Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaftsregion."
Initiiert wurde das Projekt von Dr. Reinhard Aulke, habilitierter Erziehungswissenschaftler und ehemaliger Schulleiter der KGS Wittmund (bis Sommer 2024). Als Pensionär ist er heute als Hochschuldozent an der Universität Kassel tätig und hält einen Lehrauftrag an der Tharaka University in Kenia. Aus seiner jahrelangen internationalen Vernetzung als Schulleiter und darüber hinaus ist das Projekt entstanden.
„Mein Ziel ist es, hochmotivierten jungen Menschen einen niedrigschwelligen Weg nach Ostfriesland zu eröffnen – für eine fundierte Berufsausbildung und eine echte Perspektive. Dass das funktioniert, zeigt das Beispiel einer jungen Frau aus Kenia, die seit letztem Jahr in einem Fachbetrieb in Esens erfolgreich ihre Ausbildung zur Pflegefachkraft absolviert. Solche Erfolgsgeschichten sind der Beweis, dass dieses Projekt Zukunft hat – für die jungen Menschen und für die Betriebe hier in der Region."
Betriebe, die am skizzierten Programm teilnehmen, erhalten mit den Auszubildenden aus Übersee engagierte und fachlich vorbereitete Nachwuchskräfte – und sie werden dabei nicht allein gelassen. Das Projekt sieht eine strukturierte Begleitung vor. Für einen reibungslosen Ausbildungsstart müssen teilnehmende Unternehmen Wohnraum (möblierte Zimmer, Wohngemeinschaften o.ä.) und Reisekosten zur Verfügung stellen.
Interessierte Unternehmen können sich zeitnah bei der Agentur für Arbeit melden: Lars Siebelds, Arbeitgeberservice Wittmund, per E-Mail oder telefonisch unter 04462/ 889-141. Hier erhalten sie weitere Informationen. Außerdem plant die Kreisverwaltung zudem, Vertreter interessierter Betriebe in Kürze zu einem gemeinsamen Informations- und Planungstreffen einzuladen, um offene Fragen zu klären und die nächsten Schritte gemeinsam abzustimmen.
Bild zeigt Dr. Reinhard Aulke und Landrat Holger Heymann (Copyright: Landkreis Wittmund / Anne Ballschmieter)